Berichte
 

von Heinrich Sievers

Betreff: Moskau Online
Datum: Sonntag, 6. Januar 2002 18:06

Sehr geehrter Herr Thomaschik,

da mich 1993 eine russische Frau geheiratet hat, fahren wir gelegentlich zu Verwandtenbesuchen nach Russland. Vor jeder Reise informiere ich mich u.a. durch einen Blick auf Moskau Online über Neuigkeiten. 

Unsere letze Reise nach Russland haben wir vom 22. Juni bis zum 7. Juli 2001 gemacht. Dabei stellte ich fest, dass die Informationen in Moskau Online über das Reisen in Russland zum Teil veraltet sind. Ich teile Ihnen deshalb hier meine Erfahrungen mit. Vielleicht lassen sich Ihre Informationen damit updaten.

Die größte "Ente" von Moskau Online war die Information über den Aerovoksal in Moskau, den wir von früher kannten und oft benutzt hatten (um die aus unserer Sicht horrenden Taxikosten zu vermeiden). Dieser ist geschlossen. Es gab keine Busse mehr vom Aerovoksal zu dem Flughäfen. Ich rege deshalb an, den Hinweis auf diese nicht mehr vorhandene Einrichtung in Ihren Reiseinformationen zu streichen. Die Neuigkeiten, die wir damals kennen lernten, dass man nämlich mit der Metro und öffentlichen Buslinien sehr preiswert jedenfalls zu den Flughäfen Sheremeteyewo I und II kommen kann, haben Sie in Ihrem Informationsangebot schon erwähnt.

Neu war auch, dass bei einer Einreise am Flughafen Sheremeteyewo vom Reisenden keine Zollerklärung mehr verlangt wird, wenn er nicht mehr als 1500 US-$ Bargeld bei sich führt.

Neu war ebenfalls das in den Pass eingeklebte Visum mit einer Einreise- und einer Ausreisekarte anstelle eines gesonderten Visums in Loseblattform. Bei der Ausreise ergab sich, dass die früher für die Ausreise erforderliche Registrierung jetzt für die Ausreise ohne Bedeutung ist. Meine Frau (inzwischen auch Deutsche) reiste aus, ohne irgendeine Unterlage über eine Registrierung vorzulegen. Ich zeigte entsprechende Unterlagen vor und man bedeutete mir, sie würden nicht benötigt.

Etwas anderes könnte es sein, ob lokale Vorschriften noch eine Registrierung verlangen und ein Verstoß dagegen möglicherweise als Ordnungswidrigkeit oder ähnliches von den lokalen Behörden geahndet werden kann. Jedenfalls für die Ausreise war es irrelevant.

Als wir morgens um 4.55 Uhr im Flughafen Sheremeteyewo II ankamen, winkte uns die Zollkontrolle nur durch. Irgend eine Möglichkeit, meine Handys anzumelden, fand ich nicht.

Wichtig war noch, dass es im Flughafen mehrere Geldautomaten gibt, die die Erstversorgung mit russischen Rubeln sicherstellen (z. B. mit der deutschen Postbank-SparCard kostenlos), womit man dann auch öffentliche Verkehrsmittel benutzen kann (und nicht auf Taxis angewiesen ist).

In Russland sind wir von St. Petersburg nach Ishewsk, von Ishewsk nach Kazan und von Kazan nach Moskau mit dem Zug gefahren. Die Fahrkarten haben uns im Vorfeld Verwandte besorgt. Dies war wichtig, denn die Anzahl der öffentlichen Züge hatte abgenommen.

Entgegen unserer früheren Erfahrungen gab es für die Fahrkarten keine speziellen (verdoppelten) Preise für Ausländer mehr. Damit dürften auch die Sonderschalter für Ausländer verschwunden sein, an denen man früher die langen Schlangen reisewilliger Russen umgehen und bevorzugt Fahrkarten erhalten konnte.

Von Ishewsk nach Kasan waren nur noch Platzkart-Fahrkarten zu erhalten, weil alles andere ausverkauft war.

Für unsere Verwandten war es kein Problem, für uns Fahrkarten zu kaufen. Es musste nur, wie in Russland üblich, Name und Vorname des Reisenden angegeben werden und der Zug fest gebucht werden.

Kurzfristig in Russland selbst Bahnfahrkarten zu kaufen, könnte sich danach als schwierig erweisen (weil alles ausverkauft ist).

Die wichtigste Neuerung war noch, dass unser Visum (das wir auf Grund einer Privateinladung erhalten hatten), nicht mehr die Orte aufführte, die wir in Russland besuchen wollten. In den Hotels, die wir in Ishewsk und Moskau aufsuchten, wurde uns auch bestätigt, dass unser Visum für Übernachtungen in beliebigen Orten gültig sei.

Insgesamt war mein Eindruck, dass man sich dann, wenn man Russisch verstehen und sprechen kann (was ich nicht kann), inzwischen in Russland freier reisen kann als früherer und nur auf die Restriktionen trifft, die auch jeden Russen treffen (z. B. dass eine Fahrkarte für den gewünschten Zug zum gewünschten Termin eben nicht erhältlich ist).

Sollte es bei Ihnen jemand geben, der weiß, was es bedeutet, wenn im Visum als Reiseziel (Reisezweck) 673 eingetragen ist, wäre ich für eine entsprechende Information dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Heinrich Sievers, Wiesbaden



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