Wohnung
   

Wohnraum in Moskau ist nicht mehr Mangelware, heute stellt es kein Problem mehr dar, adäquaten Wohnraum zu finden. Es ist, wie so vieles im Leben, nur eine Frage des Preises. Wohnungen waren nach der Krise 1997 sehr teuer geworden, die Lage hat sich aber verbessert. Über die aktuelle Lage (Oktober `99) informiert ein Artikel aus der Tageszeitung "Kommersant daily" vom 30.9.1999. Der Artikel enthält darüber hinaus eine Menge Landeskunde. Also, lesen Sie aufmerksam!
(Ich glaube, ich übersetze ihn lieber, oder hat jemand was dagegen?)


Moskauer Wohnungen werden teurer

Noch im Sommer konnte man in Moskau eine Ein-Zimmer-Wohnung in einem guten Stadtteil für 120 $ im Monat mieten. Wohnungen ohne Telefonanschluss kosteten überhaupt nur 100 $. So billigen Wohnraum findet man jetzt nicht mehr: die Nachfrage nach Wohnraum hat das Angebot um ein Vielfaches überschritten, und zum ersten Mal seit der Krise sind die Preise wieder gestiegen.

Teurer geworden sind vor allem Ein-Zimmer-Wohnungen: statistisch betreffen bis zu 60% der Anfragen bei Immobilienfirmen solche Wohnungen, und die Nachfrage in diesem Bereich ist 5-6mal höher als das Angebot. Ähnlich sieht es mit Zwei-Raum-Wohnungen aus.
Woher dieser plötzliche Run auf billige Wohnungen? Direkt nach der Krise waren Besitzer teurer Wohnungen gezwungen, sie gegen billigere zu tauschen. Dieser Prozess hielt ein ganzes Jahr an, und zum Herbst gab es nur noch wenige freie Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen. Zu dieser Mieter-Kategorie kamen noch zwei hinzu. Zum einen junge Moskauer Familien, die nach der Krise ihre Wohnungen ganz aufgegeben hatten und zeitweise zu ihren Eltern zurückgekehrt waren. Diese sind nun wieder in der Lage, eine Wohnung zu mieten, interessieren sich aber natürlich nicht für große Wohnungen mit vielen Zimmern. Zum andern die Studenten - Kinder wohlhabender Eltern hauptsächlich aus den nördlichen Regionen Russlands: die drei voran gegangenen Jahre hatten die Eltern ihnen Wohnungen in der Hauptstadt gekauft, aber nach der Krise wurden die Mittel knapp und sie mussten ihren gemieteten Wohnraum auch einschränken.
Fazit: eine normale Wohnung mit Telefonanschluss und in 15minütiger Fußweite von einer U-Bahnstation kostet heute nicht unter 150 $, das sind 30 $ mehr als vor anderthalb Monaten. Aber in Stadtteilen wie Sokolniki, Aeroport und Jasenewo, wo Mietpreise von über 150 $ im Sommer noch eine Seltenheit waren, bekommt man heute für unter 200 $ nichts mehr. Ganz zu schweigen vom Zentrum, wo die Preise bei 350 $ erst anfangen.
Nach Prognosen der Immobilienmakler werden die Preise bis zum Jahresende noch steigen, um dann langsam wieder zu sinken. Verändern kann sich die Situation aber durch die Terroranschlage in Moskau und die durch sie hervorgerufene Massen-Xenophobie. Wie hoch die Wohnungsmieten letztendlich sein werden, können Sie in der nächsten Nummer von "Kommersant-Geld" lesen.

(Quelle: "Kommersant daily" vom 30.9.1999)


So manche Russen haben, sofern sie es sich leisten konnten, ihre Wohnungen nach der Wende vom Staat für eine Handvoll Dollar gekauft und vermieten diese heute an alle, die es sich leisten können. Bürgermeister Luschkow ist deshalb schon länger auf der Jagd nach Leuten, die von diesen Mieteinnahmen keine Steuern zahlen.

Damit Sie sich eine Vorstellung davon machen können, was Wohnungen kosten, finden Sie hier ein paar Angebote aus der Zeitung "Moscow Times" vom 24. September 1999.


 
600 US-Dollar
Metro Kitaj Gorod
1 Raum, 50 qm
West-Standard,
möbliert
 
  800 US-Dollar
Metro Tschistyje Prudy
2 Räume, 55 qm
nett, ruhig, möbliert,
1000 US-Dollar
Metro Majakovskaja
2 Räume
West-Standard
 
  1200 US-Dollar
Metro Twerskaja
2 Räume
50qm
West-Standard
voll ausgestattet
1500 US-Dollar
Metro Frunsinskaja
Frunsinskaja Uferstraße 52,
3 Räume, Aussicht auf den Fluss
Western-Standard
unmöbliert
 
  4000 US-Dollar
Siwzew Wraschek Gasse
4 Räume, 115 qm
westlich ausgestattet
eingerichtete Küche
unmöbliert
4000 US-Dollar
Metro Kropotkinskaja / Ostoschenka
5 Räume, 150 qm
Western-Standard
antik möbliert
 
  4000 US-Dollar
Patriarchen Teiche
4 Räume, 140 qm, westlich renoviert,
voll ausgestattet und möbliert.
 

Ha - da stockt Ihnen der Atem, was?! Sie denken, für das Geld könnten Sie in Deutschland ja ein Haus mit Pool mieten... In Everswinkel oder in Wachtendong oder in Demmin, dort ja. Aber Deutschland hat keine Stadt wie Moskau!
Es gilt, wie überall: Je weiter außerhalb die Wohnung sich befindet, desto günstiger. Je näher an einer Metro-Station, desto teurer.
 
  Wie finde ich eine Wohnung ?
Hier ein - subjektiver - Erfahrungsbericht eines Leidgeprüften. Im Prinzip gelten hier die normalen Regeln für den Umgang mit Wohnungsmaklern. Bei Privatvermietungen kann die Angelegenheit heikel werden, muss es aber nicht!

Der übliche Weg für Leute, die kein Wort Russisch sprechen:

Sie besorgen sich die englischsprachigen Tageszeitungen Moskau Times oder Moskau Tribune. Diese Publikationen bekommen Sie in allen großen Hotels in Moskau. Im Kleinanzeigenteil finden Sie täglich Wohnungsangebote - allerdings in der Regel von Agenturen. Sie rufen also eine Agentur an und vereinbaren einen Besichtigungstermin. Sie werden kostenlos zur Wohnung durch einen Fahrer der Agentur gefahren - begleitet werden Sie von, i.d.R. englischsprachigem Agenturpersonal.

Die Agentur fährt sie so lange herum, bis Sie die passende Wohnung gefunden haben. Es kann durchaus passieren, dass 15 Wohnungen am Tag besichtigt werden. Sie zahlen dafür keinen Pfennig.

Oft wird versucht, Ihnen wahre Löcher zu zeigen. Sogar die Kakerlaken haben sich schon ein neue Domizil gesucht. Ziel: Sie sollen von der Agentur davon überzeugt werden, dass es besser ist, mehr Geld auszugeben und dafür eine bessere Wohnung zu bekommen. So kann es passieren, dass Sie in Häuser geführt werden, in denen es schon im Flur nach Hundepisse stinkt und ein Besoffener in den Lift gekotzt hat.

Fordern Sie, Ihnen Wohnungen in der Ihnen vorschwebenden Kategorie (Preis und Standard) zu zeigen. Bleiben Sie hartnäckig - drohen Sie, ggfls. eine andere Agentur einzuschalten. Die Drohung ist besonders wirkungsvoll, wenn Sie schon einen ganzen Tag mit dem genervten (weil Sie sich nicht entscheiden können) Personal verbracht haben....

Viele Wohnungen, die Sie besichtigen werden, sind noch bewohnt und werden erst nach Abschluss des Mietvertrages geräumt. Klären Sie vorab, welche Möbel bleiben und welche geräumt werden sollen. Unter Umständen haben Sie sonst Sperrmüll in der Wohnung und wissen nicht, wohin damit. Übrigens: Viele Vermieter erklären sich auch bereit, das Klavier dazulassen...

Russischer Standard bedeutet oft: elend renoviert, dunkle, rote Teppiche an den Wänden, Blumentapeten aus den 70ern, Flurtapete aus Kunststoff in Müllwagenfarben, abgenutzt, undichte Fenster. Aber oft auch schöner Parkettfußboden!  
  Weststandard bedeutet oft relativ gute Renovierung "Jewroremont". Allerdings nicht immer vergleichbar mit deutscher Handwerksarbeit. Manch westeuropäischem Maler würde sich der Magen umkrempeln, wenn er sähe, wie teilweise "westeuropäisch" renoviert wurde. Aber immer noch 10 Klassen besser als russischer Standard. Lassen Sie sich Wohnungen im russischen und westlichen Standard zeigen. Es ist einen Vergleich wert und man lernt, wie eine russische Wohnung aussieht.
Vermittlungsgebühr zahlen i.d.R. nicht Sie, sondern der Vermieter. Erkundigen Sie sich vorher danach!  
  Miete ist normalerweise vom Vermieter zu versteuern. Gängige Praxis ist: Viele Vermieter haben ein Konto im Ausland und wollen, dass das Geld dorthin transferiert wird, um Steuern zu sparen. Einige Firmen weisen so die Miete z.B. vom Hauptsitz in Deutschland direkt auf das Vermieterkonto z.B. in England oder U.S.A. So gibt es keine Kontobewegung in Russland. Das ist allerdings nicht rechtmäßig.
Intercom ist ein Sicherheitssystem. Fenster, Türen etc. sind elektronisch gesichert. Wenn Sie die Wohnung verlassen, müssen Sie kurz bei der Polizei anrufen und mitteilen, dass der Alarm aktiviert werden soll. Sollte jemand einbrechen, dann geht beim nächsten Polizeirevier ein Alarm ein und jemand schaut nach der Wohnung. Problem: Sie müssen bei der Polizei einen Schlüssel hinterlegen - man muss der Polizei schon trauen. Die Polizei weiß dann, wann Sie nicht da sind und hat sogar den Schlüssel - mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Viele von unseren Bekannten haben sich für dieses System entschieden - und sind zufrieden.  
  Concierges gibt es in einigen Häusern und sollen Einbrecher abschrecken. Oft ist es aber so, dass die Pförtner in einem Haus sich einen feuchten Kehricht darum kümmern, wer ein- und ausgeht. Machen Sie mal den Versuch und testen Sie, ob Sie von der Concierge kontrolliert werden oder nicht.
Stahltüren sind Standard in Russland. Oft haben Wohnungen zwei Türen. Die äußere Tür ist aus Stahl - die innere Tür ist aus Holz. Doppelt gemoppelt soll Einbrecher abhalten. Stahltüren sollte Ihre Wohnung unbedingt haben.  
  Alarmanlagen können Sie alternativ installieren. Bewegungsmelder und solche Spielereien kaufen Sie am besten in Deutschland. Lassen Sie sich dort von der Polizei beraten. Die Beratung in diesen Sachen ist hier oft unqualifiziert. Kaufen Sie gute Ware und sparen Sie nicht am falschen Ende.
Hausratversicherungen hat ja jeder. Klären Sie, ob Sie eine Versicherung dafür in Deutschland abschließen können. Sie haben im Fall der Fälle weniger Probleme als mit russischen Versicherungen.  
  Mietzins: Die Miete setzt sich wie überall aus vielen Faktoren zusammen. Folgendes sollten Sie beachten:

Größe?


Standard?
(Euro- oder Russlandstandard)


Lage?
(Zentrum oder außerhalb)


Metro in der Nähe?
Wichtiger, als man glaubt!!!


Balkon oder Terrasse?


Anbindung an Straße?
Achten Sie darauf, dass Sie die Fenster offnen können, ohne gleich einen Hörsturz zu bekommen. Verlangen Sie, dass das Radio in der Wohnung ausgeschaltet wird - öffnen Sie die Fenster und schätzen Sie die Lärmbelästigung ein.


Telephon?
Sollte die Wohnung unbedingt schon haben. Sonst warten Sie ewig auf einen Anschluss. Für Geld können Sie sich aber auch einen ISDN-Anschluss legen lassen.


Garage oder bewachter Parkplatz?


Stahltür, Intercom, Sicherheitssysteme?


Renoviert oder unrenoviert?
Im Zweifel sollten Sie auf einer Renovierung bestehen. Sie zahlen sich sonst dumm und dämlich an Farben und Tapeten.


Wohin geht die Miete?


Vertrag?
Befristet oder unbefristet? Wenn Sie einen Vertrag, wie üblich, für ein Jahr abschließen, nehmen Sie folgende Option hinein: Der Vertrag wird automatisch um ein Jahr verlängert, sollte der Mieter nicht vor Ablauf der Kündigungsfrist kündigen. Der Mietzins bleibt unverändert und wird nicht erhöht. Es besteht sonst die Gefahr, dass Sie sich häuslich einrichten, und der Vermieter Sie dann ausnimmt wie eine Weihnachtsgans. Und wer will schon wegen 100 US-Dollar gleich die Wohnung wechseln.


Infrastruktur:
In der Nähe sollten wenigstens ein paar Lebensmittelgeschäfte sein.


 
   
  Folgende Ratschläge möchte ich Ihnen noch auf den beschwerlichen Weg geben:
(Wer in Deutschland schon mal eine Wohnung gesucht hat, muss das nicht lesen!)
Lassen Sie sich nicht vom Agenturpersonal unter Druck setzen - auch wenn Sie schon zwei Tage lang insgesamt 30 Wohnungen gesehen haben. Kein Mitleid! Sie müssen irre Preise zahlen und können auch verlangen, dass Sie eine Wohnung finden, die Ihnen zusagt.

Nehmen Sie sich mindestens 4-5 Tage Zeit für die Suche. Sie müssen ja evtl. länger dort wohnen.

Handeln Sie! Drücken Sie die Miete herunter.

Wenn eine Wohnung möbliert ist, können Sie auch verlangen, dass man Ihnen z.B. Waschmaschine, Bügelbrett, Bügeleisen und andere Haushaltsgegenstände bereitstellt. Gerade bei solch hohen Mieten gilt: Fordern Sie! Zeigen Sie, was Ihnen der Dollar wert ist!

An den Verträgen können Sie unter Umständen herumfeilen. Stellen Sie gegenüber dem Vermieter klar: "Ich weiß, dass es in Moskau viele gute Wohnungen und Agenturen gibt. Ich bin auf Deine Wohnung nicht elementar angewiesen." Das erhöht die Verhandlungsaussichten. Wenn Ihnen eine Wohnung sehr gut gefällt: Zeigen Sie keine Euphorie oder übermäßiges Interesse. Das vermindert Ihre Verhandlungsaussichten enorm.

Nehmen Sie ggfls. einen russischen Freund oder Kollegen als Berater mit!!!

 
Hier eine Net-Adresse für "Normale":

www.kdo.ru

Hier ein paar Makler-Adressen für "besser Verdienende":

www.updk.ru

www.delight.ru

www.pennylane.ru

www.blackwood.ru

www.miel-realty.com

(Quelle: The Moscow Times vom 24. September 1999)

Trick 17

Sie schicken einen russischen Freund alleine zum Besichtigungstermin einer Wohnung. Der Bekannte schließt dann den Mietvertrag ab und zahlt nur knapp die Hälfte. Problem: Sie können die Wohnung nicht sehen (und nie verlassen) und sind ganz auf den Geschmack Ihres Bekannten angewiesen. Dies ist für Ausländer - jedenfalls preislich - die günstigste Variante.

Generell gilt: Verträge sind da, um gebrochen zu werden - jedenfalls in Russland. Ihr Vermieter würde nicht zögern, Sie rauszuschmeißen, wenn er von einem anderen mehr Geld für die Wohnung bekommen könnte.

Ein großer Teil der heute Obdachlosen sind beim Wohnungskauf, -verkauf oder -tausch übers Ohr gehauen worden.

Ich habe einen Freund, der folgendes erlebte:
Er mietete für 500 US-Dollar eine Wohnung am Stadtrand. Bestandteil des Mietvertrages war die Pflicht des Mieters, die Wohnung vollständig und fachgerecht zu renovieren. Der arme Kerl hat also die Wohnung herausgeputzt und viel Geld dafür ausgegeben. Ein halbes Jahr später wurde er gekündigt - wegen Eigenbedarf. Die Erfolgsaussichten einer Klage sind gering - Sie brauchen langen Atem und Nerven wie Drahtseile. Lassen Sie sich auf solche Verträge nicht ein. Fordern Sie vom Vermieter, dass die Wohnung renoviert wird. Übrigens: Anders als in Deutschland ist es hier nicht üblich, die Wohnung beim Auszug zu renovieren. Wäre ja noch schöner - bei den horrenden Mieten.

Theoretisch können Sie Rechtsmittel einlegen, aber auf einen Gerichtstermin warten Sie bis zu einem Jahr... Die Mühlen der Justiz mahlen langsam.

Außerdem können Sie in Häusern wohnen, die von Ausländern, so z.B. Amerikanern oder Japanern erstellt wurden. Der Gerichtsstand ist zwar dann im jeweiligen Heimatland des Investors, also z.B. Japan oder Amerika, aber die praktische Realisierung der Rechtsmitteleinlegung ist leichter. Problem: Wollen Sie wegen jedem Pippifax nach Tokio fahren?


Jetzt fragen Sie sich sicher: Na - und die Russen? Zahlen die auch so viel? No! Wohnungen für Russen sind viel, viel billiger. Aber vergessen Sie es - da kommen Sie in der Regel nicht dran. Alternativ können Sie Vitamin B (Beziehung) spielen lassen. Fragen Sie russische Freunde oder Kollegen nach weiteren Tipps!

 
 



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