Korruption
   
Korruptions-Wahrnehmungs-Index
Schmiergeldzahler-Index
   

Deutschland und Russland werden 2004 im internationalen Vergleich als weniger Korrupt wahrgenommen als im Vorjahr. Russlands Korruptions-Wahrnehmungs-Index hat sich trotz aller Reformen und Personalveränderungen in der Staatsbürokratie nur ganz leicht verbessert, es nimmt allerdings einen schlechteren Rang ein als 2003, vielleicht weil sich der Kreis der untersuchten Staaten etwas erweitert hat.

Der Aussagewert der Studie ist allerdings begrenzt. Erstens spiegelt sie nur die Wahrnehmung der Korruption, erfasst also nicht die tatsächliche Verbreitung, zweitens berücksichtigt sie weder die staatlichen Anstrengungen, Korruption einzudämmen, noch die Einstellung der Bevölkerung zur Korruption.

Nach Einschätzung von Transparancy International werden 90 bis 95% der Bestechungsdelikt gar nicht erst entdeckt. Während in Russland sicherlich die weite Verbreitung der Bestechlichkeit und der Bereitschaft zur Bestechung in vielen Bereichen des Alltags ins Gewicht fällt, hat Deutschland traditionelle Korruptionsfelder: Bausektor, Parteien (Ha, kleiner Scherz!) Pharmabranche, in letzter Zeit kamen aber auch große Bestechungsfälle aus den Bereichen Müll (Köln) und Immobilien (Frankfurt/Main) an die Öffentlichkeit.

Aber auch solche Fälle bezögen sich, so TI, meist auf lokale Zentren und/oder kleine Personengruppen, so dass sie weniger das Rampenlicht anzögen und deshalb die Außenansicht Deutschlands nicht beeinflussten.

Weltweit gesehen scheint das Geschäft mit dem Öl besonders betroffen zu sein. Das meiste Schmiergeld klebe am Öl, sagt TI, und die meisten Ölförderländer seien in hohem Maße anfällig für Bestechungsgelder. Hier kann man aber bei genauerem Hinsehen feststellen, dass es zwischen reichen Ölstaaten und armen Ölförderländern erhebliche Unterschiede gibt, zumindest in der Wahrnehmung. Ob sich die Verstaatlichung des Ölsektors eher positiv oder negativ auswirkt, dazu habe ich nicht finden können.

 

Die Zahlen von 1996 ermittelte die Uni Göttingen im Auftrag der Transparency International, die Zahlen für 2003 und 2004 entstammen den Jahresberichten von Transparancy International.

Der alljährliche Bericht fasst Befunde und Untersuchungen zusammen, die von verschiedensten nationalen und/oder internationalen Organisationen (Gallup International, Weltbank u. a.) durchgeführt werden. Von russischen Organisationen wurden für den Bericht 2004 keine Befragungen durchgeführt.

Die Anzahl der dem jeweiligen Ergebnis zu Grunde liegenden Untersuchungen werden im Bericht angegeben, können sich jedoch von Land zu Land unterscheiden.

Insgesamt wurden die Länder nach einem Punktesystem  von 0 bis 10 bewertet. Bewertet wird nicht die reale Verbreitung von Korruption, sondern die Wahrnehmung von Korruption in Politik und Verwaltung. Der Index spiegelt die Sicht einer großen Anzahl von Wirtschaftsexperten außerhalb des Landes wider. Er drückt nicht aus, was im Land selbst über Korruption gedacht wird.

0 bedeutet, daß in diesen Ländern durchgängig Korruption wahrgenommen wird - 10 dagegen steht für Länder, in denen man sie nicht bemerkt.

Die wirksamste Waffe gegen Bestechung ist laut TI Transparenz. Ein Entwurf für ein Bundesinformationsfreiheitsgesetz, das den Bürgern mehr Einblick in Verwaltungsangelegenheiten verschaffen würde und das es in 50 Ländern schon gibt, ist in Deutschland (Herbst 2004) allerdings noch nicht einmal ins Parlament eingebracht worden.

Die Vorschriften zur Informationsfreiheit bedeuten in den USA, dass ein Unternehmen, das sich erfolglos um einen Staatsauftrag beworben hat, erfährt, wer den Zuschlag zu welchen Bedingungen bekam.

Für das Ölgeschäft fordert TI, dass die Regierungen die Ölgesellschaften zwingen, die Summen zu veröffentlichen, die sie den einzelnen Ländern für das Recht zur Ölförderung bezahlen.

 

Russlands Tabellen-Nachbarn auf Platz 90 (von 146 Ländern) bei einem CPI-Index von 2,8 sind 2004: Gambia, Indien, Malawi, Mosambique, Nepal und Tansania;

Im Bericht 2003 waren es auf Platz 86 (von 133 Ländern) bei einem PCI-Index von 2,7: Mozambique.

Bei 2,8 lagen 2003: Indien, Malawi und Rumänien;

Bei 2,6 lagen 2003: Algerien, Madagaskar, Nicaragua, Jemen;

 

 

Index für die Verbreitung von Bestechlichkeit unter Staatsbediensteten und Politikern
(in der Wahrnehmung von Unternehmern und Analytikern)

 

Tendenz
(PCI-Score)
Land
2004
Punkte
2004
Rang
(von 146)
2003
Punkte
2003
Rang
(von 133)
1996
Punkte
Finland
9,7
1
9,7
1
Neuseeland
9,6
2
9,5
3
Dänemark
9,5
3
9,5
3
Island
9,5
3
9,6
2
Singapur
9,3
5
9,4
5
Schweden
9,2
6
9,3
6
Schweiz
9,1
7
8,8
8
8,76
Norwegen
8,9
8
8,8
8
Australien
8,8
9
8,8
8
Niederlande
8,7
10
8,9
7
Großbritannien
8,6
11
8,7
11
Canada
8,5
12
8,7
11
Luxemburg
8,4
13
8,7
11
Österreich
8,4
13
8,0
14
7,59
Deutschland
8,2
15
7,7
16
8,27
Hongkong
8,0
16
8,0
14
USA
7,5
17
7,5
18
Frankreich
7,1
22
6,9
23
Japan
6,9
24
7,0
21
Italien
4,8
42
5,3
35
China
3,4
71
3,4
66
2,43
Weißrussland
3,3
74
4,2
53
Mosambique
2,8
90
2,7
86
Russland
2,8
90
2,7
86
2,58
Irak
2,1
129
2,2
113
Bangladesch
1,5
145
1,3
133
2,29

Quelle: Universität Göttingen / Transparency International 1996-2004


 

Der Bribe-Payer-Index BPI drückt aus, wie hoch (in der Wahrnehmung) die Bereitschaft von Unternehmen ist, im Ausland ihre Geschäftsbeziehungen mit Schmiergeldzahlungen zu regeln. Seit wenigen Jahren verbieten deutsche Gesetze deutschen Firmen den Einsatz von Schmiergeldzahlungen im Ausland.

2002 lag Deutschland zusammen mit Singapur auf dem 9. Platz.

 

Die Frage zum BPI-Index lautet:

"In the business sectors with which you are most familiar, please indicate how likely companies from the following countries are to pay or offer bribes to win or to retain business in this country?"

 

Erläuterung:
A perfect score, indicating zero percieved propensity to pay bribes, is 10,0, and thus the ranking starts with companies from countries that are seen to have a low propensity for foreign bribe paying.

Bribe-Payer-Index für das Jahr 2002
Rang
Land
BPI-Score
1
Australien
8,5
2
Schweden
8,4
Schweiz
8,4
4
Österreich
8,2
5
Kanada
8,1
6
Niederlande
7,8
Belgien
7,8
8
Großbritannien
6,9
9
Singapur
6,3
Deutschland
6,3
11
Spanien
5,8
12
Frankreich
5,5
13
USA
5,3
Japan
5,3
15
Malaysia
4,3
Hong Kong
4,3
17
Italien
4,1
18
Süd Korea
3,9
19
Taiwan
3,8
20
China
3,5
21
Russland
3,2
22
heimische Unternehmen
1,9



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