Stalins Kathedralen
   
Wer nach Moskau kommt, ist umzingelt von Stalins " Sieben Schwestern" - es gibt kein Entkommen. Wo immer man auch ist, drängen sich die über das Stadtgebiet verstreuten sieben Hochhäuser im Zuckerbäckerstil in das Blickfeld des Betrachters. Bei Ihrem Moskau-Trip kommen auch Sie nicht an diesen Bergen aus Stein vorbei.  
 

Lomonossow Universität

Nein, Wolkenkratzer sollten es nicht werden, als 1947 beschlossen wurde, diese Häuser zu bauen. Denn Wolkenkratzer gab es in Manhattan und Chicago - und diese Städte waren ja schließlich das Synonym für Kapitalismus und architektonischen Wildwuchs in seiner übelsten Form. Stalins Schwestern sollten die neugeschaffene sowjetische Lebensform und den Sozialismus versinnbildlichen. Schönheit stand vor Funktionalität. Monumentale Fassaden statt glatte, nichtssagende Glaspaläste sollten es werden. Moskau wollte nach dem Krieg etwas Eigenes schaffen - nicht Amerika imitieren. Der schnauzbärtige Despot Stalin hat sich damit ein ewiges Denkmal gesetzt - jedenfalls in Moskau und natürlich in der Architekturgeschichte.  
 
Außenhandelsministerium
Auf den ersten Blick und aus der Entfernung sehen alle Häuser recht gleich aus. Der Schein trügt. Ein Stil-Misch-Masch von Renaissance bis Neogotik zeigt sich erst beim näheren Hinschauen.

Die monumentalste und sicher auch schönste "Schwester" ist die Lomonssow-Universität - die größte Hochschule Russlands. Auf den Sperlingsbergen, 85 m über dem Moskwa-Spiegel wurde dieses Gebäude der Superlative erbaut. 250 Meter hoch und 450 Meter breit - da kommt sich so mancher Tourist klein, unbedeutend und verloren vor. Mehr als 5000 Menschen leben in diesen Gebäuden - vom Studenten bis zum Professor. Ob Hörsaal, Geschäfte oder Schuster: Für die notwendige Infrastruktur wurde in mehr als 20.000 Räumen gesorgt. Ohne gültigen Uni-Ausweis bleiben dem Besucher aber leider tiefere Einblicke in das Innere der "Stadt in der Stadt" verwehrt.

 


Hotel Ukraina

 
  Nur wenige hundert Meter von der Uni entfernt bietet sich ein unvergesslicher Panoramablick über die ganze Stadt - goldene Kuppeln inklusive. Spätestens jetzt wird dem aufmerksamen Touri mit Blick für die Städteplanung auffallen: Die Neubauten wurden in vertikaler Linie zu den Gebäuden des alten Moskau erbaut. Wenn man eine unsichtbare Linie zwischen den jeweils gegenüberliegenden Hochhäusern zieht, dann überschneiden sich die Linien genau an dem Punkt, an welchem der "Palast der Sowjets" gebaut werden sollte. Fast wären es nämlich acht "Kathedralen" geworden. Mit mehr als 420 m Höhe existierte der Palast schon - jedenfalls auf dem Papier. Auf dem Dach sollte eine riesige Lenin-Statue thronen. Der Plan, ein Gebäude zu bauen, das größer wäre als der Eiffelturm oder das Empire-States-Building, wurde verworfen.

In den Abendstunden wird das Hotel Leningradskaja (Metro Komsomolskaja) besonders schön beleuchtet - das prachtvolle Foyer ist sehenswert. Wenn es sie interessiert, wie so ein Hochhaus von innen aussieht, dann fahren Sie zum Wohnhaus am Kotelnitscheskaja-Kai (Metro Taganskaja). Allerdings sind die Wohnungen in dem palastähnlichen Gebäude recht klein. Wenn Sie Glück haben, ist ein Fenster auf dem Flur offen und es bietet sich gar die Möglichkeit, auf die Außenbrüstung zu gehen - einen schöneren Blick auf den Kreml gibt es nicht. Fahren Sie auch mal mit dem Lift in die letzte Etage und lassen Sie sich überraschen.


Wohnhaus

 
  Die Sieben Schwestern, die zwischen 1948 und 1957 erbaut wurden, haben Moskaus Gesicht geprägt - mancher liebt dieses Gesicht, andere wiederum nörgeln über jeden Pickel und die kleinste Unreinheit. Ob Sie Stalins Kathedralen schön oder hässlich finden, müssen Sie schon für sich persönlich entscheiden. Eines sind sie ganz gewiss: Fazinierend und gigantisch.

Weitere Betonberge: Außenministerium (Metro Smolenskaya), Hotel Ukraina (Metro Kievskaja), Verkehrsministerium (Metro Krasnye Vorota), Wohnhaus am Platz des Aufstandes (Metro: Barrikadnaja)




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